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"Künstliche Niere" - Rostocker Initiativen

Die "künstliche Niere" stellt ein extrakorporales Entschlackungsverfahren dar, um bei Funktionsausfall der Nieren den Patienten zu entgiften. Bei Nierenversagen können harnpflichtige Substanzen nicht mehr ausgeschieden werden. Die künstliche Niere bietet die Möglichkeit, den Patienten bei etwa dreimaliger Behandlung pro Woche mehrere Jahre am Leben zu erhalten. Eine Nierentransplantation ist dann möglich.

Seit 1958 wurde in Rostock zu diesem Thema geforscht. Anstoß gab der damalige Direktor der Medizinischen Universitätspoliklinik Prof. Dr. Harald Dutz. Unter seiner Leitung erfolgte 1960 in Rostock eine erste klinische Anwendung der künstlichen Niere. Das Dialysegerät wurde aus der BRD importiert.

Nach Berufung von Prof. Dr. Dutz als Ordinarius an die Charité widmete sich Prof. Dr. Horst Klinkmann verstärkt der Einführung moderner Blutentgiftungsverfahren. Eine Zusammenarbeit mit der Strathclyde University in Glasgow führte die Rostocker Arbeitsgruppe an Fragestellungen zur Entwicklung effektiver Membranen zur Dialysebehandlung heran. Gemeinsam mit dem Institut für Polymerchemie der Akademie der Wissenschaften der DDR, der Urologischen Klinik im Krankenhaus Aue und der Firma Scheibner KG in Bernsbach wurde die erste eigene künstliche Niere "Aue I" kreiert. Nach Entwicklung der Cellulosemembran "Nephrophan" und ihrer Produktion im VEB Filmfabrik Wolfen folgten "Aue II" und Anfang der 70er Jahre "Aue III". Seitdem stand in der DDR eine eigene anwendbare Dialysetechnik zur Verfügung.

1979 wurde die Dialysemaschine KN 401 aus dem Messgerätewerk Zwönitz bereitgestellt, die bereits einen Einsatz von Hohlfaserdialysatoren ermöglichte.
Ende der 80er Jahre kam die Maschine KN 501 auf den Markt, ein intelligentes, rechnergestütztes Dialysegerät. Die Herstellung der Hohlfaserdialysatoren erfolgte im VEB Keradentawerk Radeberg.

Die Eigenentwicklung "künstliche Niere" war von Anfang an ein "kollektives Ergebnis" von Wissenschaftlern und Ingenieuren aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen der DDR.
Die Rostocker Forscher waren diejenigen, die die medizinischen Leistungsparameter vorgaben, sie in vielen Entwicklungsstufen kontrollierten und korrigierten. Motor der Gesamtentwicklung der Rostocker Leiteinrichtung war Prof. Dr. Horst Klinkmann. Zu seinen Mitarbeitern gehörten unter anderem Prof. Dr. D. Falkenhagen, Dr. P. Ahrenholz und Doz. Dr. M. Holtz.



Künstliche Niere "Aue II"




Hohlfaserdialysator

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