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Autogeschichten aus MV
Der zweite Marcuswagen von 1889
In Mecklenburg-Vorpommern sind einige bedeutende Ursprünge des heutigen Autos zu finden. So konstruierte der Malchiner Siegfried Marcus eines der ersten Benzinautos. Der 1831 geborene Marcus verließ als junger Mann seine Heimat Mecklenburg in Richtung Hamburg. Im Jahr 1852 zieht es ihn weiter nach Wien, wo er eine Mechanikerwerkstatt aufbaut und Versuche zur Zerstäubung von Benzin unternahm. Siegfried Marcus beschäftigte sich schon in den 1860er Jahren mit dem Verbrennungsmotor, schließlich war im Frühjahr 1861 der erste Lenoir-Motor in Wien zu sehen, der die Aufmerksamkeit fast aller Techniker der damaligen Zeit auf sich zog. Anfang des Jahres 1870 stellte Marcus einen verdichtungslosen, direkt wirkenden Kurbeltriebmotor fertig. Aus demselben Jahr, vom 3. September, existieren zwei Photographien, die den gleichen Motor, montiert auf einen Handwagen zeigen.
Nachbau des ersten Marcuswagens
Es ist der Verdienst von Siegfried Marcus, der erste gewesen zu sein, der ein Fahrzeug mit einem Benzinmotor antrieb. Da der so genannte "motorisierte Handwagen" einige Voraussetzungen eines wirklichen Kraftfahrzeugs nicht erfüllte, konnte auch nicht von einem Automobil gesprochen werden. Das erkannte auch Marcus und verwarf die erste Konstruktion (das Modell ist unauffindbar). Der zweite Marcus-Wagen entstand um 1889.
Ausflugstipp: Einen Nachbau des ersten Marcus-Wagens können Sie im Museum in der Mühle zu Malchin bewundern.
Literaturtipp: "Siegfried Marcus. Mythos und Wirklichkeit." von Horst Hardenberg (Informationen von amazon.de)
Internettipp: www.siegfried-marcus.de
Nach der I. Internationalen Motorwagen-Ausstellung 1899 in Berlin hatte das Automobil Konjunktur. Auch Mecklenburger beteiligten sich an diesem Boom. Carl Foth und Fritz Nebelung bauten 1902 noch als Studenten des Technikums in Neustadt-Glewe einen Motorwagen. Nach ihrem Examen gründeten sie in Dömitz eine kleine Fabrik, in der bald das erste Automobil produziert und verkauft wurde. 1909 trennten sich ihre Wege. Nebelung blieb in Dömitz und baute Landmaschinen. Foth gründete ein Fotounternehmen in Rathenow.
Die Wismarer Maschinenfabrik Podeus AG wagte um 1906 den Einstieg in das Kraftfahrzeuggeschäft. Es sind die Söhne von Heinrich Podeus, die sich für den Automobilbau engagierten. Ab 1907 gingen die Wagen in die Serienfertigung und wurden erfolgreich verkauft. Das Unternehmen exportierte nach Dänemark, Indien, Russland und Brasilien. Nach dem I. Weltkrieg gaben die Brüder Paul und Heinrich Podeus die Pkw-Produktion auf.
Als Zulieferer für die Autoindustrie machte sich der Betrieb "Kolbenfertigung Nord Neubukow" einen Namen. Zwischen 1976 und 1989 produzierten die zeitweise 150 Beschäftigten Kolben für verschiedene Fahrzeuge. 1990 musste die Produktion eingestellt werden. Heute firmiert das Unternehmen unter dem Namen Dethloff Maschinenbau GmbH. Es hat sich auf die Fertigung von Sondermaschinen spezialisiert.
Wir bedanken uns bei Torsten Gertz, 2.Vorsitzender des Malchiner Museumsvereins, für wertvolle Hinweise zum Marcuswagen.
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