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Die ältesten altniederdeutschen Textsorten
sind Bibeldichtungen, Klein- und Merkversdichtungen,
Gebrauchsprosa und Glossen. 80 % der altniederdeutschen
Schriftüberlieferungen beziehen sich auf die
Bibel. Aus der Mitte des 9. Jahrhunderts sind zwei
fast vollständige Fassungen des "Heliand"
erhalten. Drei Fragmente stammen aus dem 10. Jahrhundert.
Als Entstehungsort der anonymen Dichtung wird das
Kloster Verden oder Fulda angenommen.
Die kleineren Gebrauchs-Versdichtungen sind z.B.
Beschwörungsformeln zur Abwendung von Schäden
und zur Heilung. Die Gebrauchsprosa hat inhaltlich
gleiche Zwecke
Die im Mittelalter weit verbreiteten Glossen dienen
der Erklärung der lateinischen Texte.
Die Ausprägung der städtisch-bürgerlichen
Kultur bildet die Voraussetzung für die Überlieferung
einer großen Anzahl von mittelniederdeutschen
Texten seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Es
gibt eine breite Auswahl von verschiedenen Textsorten
und mehrere regionale Schreibsprachen.
Die Mehrzahl der Texte ist ausgerichtet auf den
Ausbau und die Funktion der Hanse und der Territorialstaaten.
Als hervorragendes Beispiel der Textsorten zum Alltagsleben
und zur Verwaltung ist der "Sachsenspiegel"
(Spiegel = Richtschnur, Regel) des Eike von Repgow
(1. Hälfte des 13. Jh.) zu nennen.
Nur in niederdeutscher Sprache abgefasst sind -
eine Besonderheit auf Grund des Bereiches - die
Seerechte, Seebücher, Seekarten.
Religiöse und moralisierende Texte sind Gebotstafeln,
ausführliche Katechismen, Predigten und geistliche
Lieder.
Bibelübersetzungen gibt es in Köln 1478,
in Lübeck, in Halberstadt 1522. Die niederdeutsche
Bugenhagen-Bibel erscheint im Druck noch vor der
Ausgabe Luthers.
Textsorten mit Anspruch auf ästhetischen Effekt
sind erzählende Texte: Balladen (in Fragmenten
erhalten die Störtebeker-Geschichte), Nachdichtungen
der Nibelungengeschichte, historische Volkslieder
und Reimchroniken. Das "Redentiner Osterspiel"
(1464) gilt als erstes eigenständiges deutschsprachiges
Schauspiel. Das "Rostocker Liederbuch"
war offenbar ein Rostocker Studentenstammbuch, etwa
1486 geschrieben.
Gegen den Rückgang der niederdeutschen Sprache
und die Vernachlässigung der tradierten regionalen
Besonderheiten wendet sich Johann Lauremberg 1652
mit seinen "Vier Scherzgedichten". Bernhard
Raupach setzt sich 1704 in seiner Rostocker Dissertation
"Von unbilliger Verachtung der Plat-Teutschen
Sprache" für das Niederdeutsche ein.
Johann Heinrich Voß veröffentlicht 1776-77
in seinem "Musenalmanach" zwei niederdeutsche
"Vierländer Idyllen".
Sein Versuch aber, eine "übermundartliche"
niederdeutsche Literatursprache zu installieren,
scheitert, wie das auch später der Fall sein
sollte.
Um 1850 erscheinen in neuniederdeutscher Sprache
die literarischen Erstlingswerke der "Klassiker
der niederdeutschen Dichtung" Klaus Groth,
John Brinckman und
- als hervorragendster und erfogreichster Vertreter
Fritz Reuter.
Die Beliebtheit der Werke Fritz Reuters verhilft
der niederdeutschen Sprache zu einem ungeahnten
Aufschwung. In allen deutschen Region wird Reuters
Werk in niederdeutscher Sprache gelesen.
In der Nachfolge gibt es auch heute noch viele Beispiele
niederdeutscher Literatur, die aber die Verbreitung
der Reuterschen Werke nicht mehr erreichen kann.
Cornelia
Nenz
Leiterin des Fritz-Reuter-Literaturmuseum
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